Kaffee
Die Zeremonie in Eritrea Die eritreische Kaffeezeremonie ist ein Ritual, für das man sich Zeit nehmen muss, während man mit Familie und Freunden zusammensitzt, um sich zu unterhalten, denn in dieser Kultur spielen Zeit und geliebte Menschen eine zentrale Rolle. Was die Qualität des Kaffees betrifft, so variieren die Vorlieben von Region zu Region: In einigen Regionen wird der Sidamo bevorzugt, der sich durch einen abgerundeten, köstlichen und komplexen Geschmack mit blumigen Zitrusaromen, einer feinen Beerennote und Rohrzucker auszeichnet, während in anderen Regionen der Harar, eine exotische, kräftige, rauchige und komplexe Sorte mit Zimt-, Kardamom-, Brombeer- und Aprikosennoten, bevorzugt wird. Die Röst- und Zubereitungsmethoden sind tief in der Familientradition verwurzelt. In Äthiopien werden die Bohnen über einem Holzkohlegrill geröstet. Zu Beginn der Zeremonie ist es in vielen Gemeinden wichtig, den süssen und holzigen Duft von Weihrauch oder Myrrhe zu geniessen. Die Frauen führen jeden Schritt vor den Gästen durch, die ihnen dabei zusehen, wie sie die Bohnen in einer kleinen, flachen Pfanne mit sehr langem Stiel, der sogenannten menkeskesha, rösten. Der Röstvorgang wird beendet, wenn das Öl auf den Bohnen sichtbar wird. Sie werden sofort auf eine runde gewebte Matte geschüttet, damit sie abkühlen. Während des Prozesses riechen alle Anwesenden das intensive und faszinierende Aroma der rauchigen gerösteten Bohnen. Gemäss der Tradition wird der Kaffee dann mit einem Mörser und Stössel zerstossen, bis er eine mittlere bis feine Textur erreicht. Anschliessend wird er mit einer Jebena, einer in Äthiopien typischen kleinen und schmalen schwarzen Kaffekanne aus Ton mit rundem Boden, aufgebrüht. Während die Gäste darauf warten, dass der Kaffee warm wird, essen sie knuspriges und leicht süßes Dabo Kolo, eine lokale Brotsorte, die aus Mehl, Zucker und Wasser besteht, in kleine Stücke geschnitten und dann gebraten oder gebacken wird. Aufgrund ihres gerundeten Bodens wird die Jebena anschliessend auf ein spezielles geflochtenes Gestell gestellt. Die Kanne muss einige Minuten abkühlen, damit sich der Kaffeesatz auf dem Boden absetzen kann, bevor die Finjal, kleine eritreische Tassen aus Porzellan, mit dem Kaffee gefüllt werden. Ein Filter aus Rosshaar verhindert, dass der Kaffeesatz in die Tassen gelangt. Und dann ist die Zeit gekommen, einen milden und köstlichen Kaffee zu geniessen, der weder bitter noch sauer oder zu stark ist.